
Manche Bilder erzählen keine Geschichte. Und trotzdem beginnt etwas in uns, Zusammenhänge zu suchen.
Eine große helle Form ruht im Zentrum. Um sie legt sich eine dunkle Linie, fast wie eine schützende Hülle. Oder ist es eine Begrenzung?
Links drängt Rot ins Bild. Bewegung entsteht. Linien strömen, biegen sich, verändern ihre Richtung. Grün vermittelt zwischen der Energie des Rot und der Ruhe der hellen Mitte. Rechts oben erscheint eine kleinere Form, die dem Zentrum ähnelt und doch außerhalb von ihm liegt.
Was mich an diesem Bild berührt, ist die Mehrdeutigkeit. Schutz und Begrenzung liegen manchmal erstaunlich nah beieinander.
Die dunkle Umfassung kann Halt geben. Sie kann schützen. Gleichzeitig könnte sie etwas einschließen. Vielleicht liegt genau darin eine jener feinen Grenzen, die sich auch im Leben nicht immer eindeutig bestimmen lassen.
Wann wird Schutz zu Begrenzung?
Und wann schafft eine Begrenzung überhaupt erst den sicheren Raum, in dem etwas wachsen kann?
Auch die kleine grüne Form lässt sich nicht eindeutig zuordnen. Ist sie ein Gegenüber? Ein Teil des Ganzen? Etwas, das sich gelöst hat? Oder etwas, das zurückkehren möchte?
Das Bild gibt darauf keine Antwort und muss es auch nicht.
Für mich liegt darin eine besondere Qualität abstrakter Kunst: Formen, Farben und Linien können etwas in Bewegung bringen, ohne festzulegen, was wir darin sehen sollen. Das Bild bleibt dasselbe. Doch das, was wir darin erkennen, kann sich verändern.
Vielleicht erzählt ein abstraktes Bild deshalb manchmal ebenso viel über den Menschen, der es betrachtet, wie über den Menschen, der es gemalt hat.




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