Wo der innere Funke beseelt sichtbar wird

Neuro.Bar

Veränderung beginnt mit der Möglichkeit, dass etwas auch anders sein kann.

Der Name Neuro.Bar ist ein Wortspiel. Seine beiden Bestandteile erzählen bereits, worum es mir dabei geht: um unser neuronales System und um die Fähigkeit zur Veränderung.

Die Vorsilbe Neuro …

Neuro bezieht sich auf Neuronen, die Nervenzellen unseres Nervensystems. Sie stehen über zahlreiche Kontaktstellen miteinander in Verbindung und tauschen Informationen über elektrische und chemische Signale aus. Aus diesen komplexen Netzwerken entstehen die Prozesse, mit denen wir wahrnehmen, lernen, erinnern, fühlen und handeln.

Diese Netzwerke sind nicht unveränderlich. Unser Gehirn passt sich an Erfahrungen, Lernprozesse und Anforderungen an. Verbindungen können entstehen, sich verstärken, abschwächen oder neu organisieren. Diese Fähigkeit unseres Nervensystems wird als Neuroplastizität bezeichnet.

Was wir wiederholt erleben und tun, kann sich dadurch festigen. Das gilt für hilfreiche Fähigkeiten ebenso wie für Gewohnheiten und vertraute Reaktionsweisen.

Doch genau darin liegt auch eine Möglichkeit: Was gelernt wurde, kann durch neue Erfahrungen ergänzt und teilweise verändert werden.

Die Nachsilbe … bar

Die Endung -bar beschreibt eine Möglichkeit oder Fähigkeit.

  • Sichtbar kann etwas gesehen werden.
  • Denkbar kann etwas gedacht werden.
  • Veränderbar kann etwas verändert werden.

Für mich steckt darin der eigentliche Gedanke von Neuro.Bar.

Unser gegenwärtiger Zustand ist nicht zwangsläufig unser endgültiger Zustand. Wir sind geprägt von unseren Erfahrungen und gleichzeitig besitzen wir die Fähigkeit, weiterzulernen und neue Erfahrungen zu machen.

Das bedeutet nicht, dass wir alles beliebig verändern können. Manche Muster sind tief eingeprägt. Veränderung braucht häufig Zeit, Wiederholung und Erfahrungen, die sich von den bisherigen unterscheiden.

Aber es gibt Spielräume. Und genau diese Spielräume interessieren mich.

Wenn Gewohntes eine andere Spur bekommt.

Wir Menschen greifen gern auf Bekanntes zurück. Das ist sinnvoll, denn unser Gehirn muss nicht bei jeder Handlung wieder bei null anfangen. Gewohnheiten und automatisierte Abläufe entlasten uns.

Manchmal führen uns diese vertrauten Wege jedoch immer wieder an dieselbe Stelle.

Ich habe einen Satz, den ich besonders dann gerne benutze, wenn etwas sehr endgültig oder dogmatisch behauptet wird:

„Und was wäre, wenn es ganz anders ist?“

Diese kleine Frage verändert zunächst gar nichts. Aber sie öffnet einen Raum, in dem eine andere Möglichkeit überhaupt erst denkbar wird.

Dann kann es hilfreich sein, etwas anders zu machen als bisher. Einen gewohnten Ablauf zu unterbrechen. Eine neue Entscheidung zu treffen. Eine andere Bewegung auszuführen. Etwas Unbekanntes auszuprobieren und wahrzunehmen, was dabei geschieht.

Dabei muss das Neue nicht groß sein. Manchmal genügt eine kleine Abweichung, damit eine andere Erfahrung möglich wird.

Was hat das mit Zeichnen zu tun?

Beim Zeichnen geschieht erstaunlich viel gleichzeitig. Wir sehen, bewegen unsere Hand, treffen Entscheidungen, reagieren auf das, was auf dem Papier entsteht, korrigieren, ergänzen, verwerfen und beginnen neu.

Kreatives Gestalten kann deshalb ein Erfahrungsraum sein, in dem wir mit Veränderung spielen können.

Eine Linie muss nicht dort weitergehen, wo wir es gewohnt sind. Eine Form kann plötzlich eine andere Richtung bekommen, größer oder kleiner sein. Zwei voneinander getrennte Bereiche können verbunden werden. Aus einem vermeintlichen Ausrutscher kann etwas entstehen, das vorher nicht geplant war.

Auf dem Papier dürfen wir ausprobieren, ohne bereits wissen zu müssen, wohin es führt.

Kritzel.Bar und Neuro.Bar nutzen diese Möglichkeiten auf unterschiedliche Weise.

kritzelbar logo

Lebt von freien, spontanen Bewegungen, spielerischem Ausprobieren und dem Loslassen eines vorher festgelegten Ergebnisses.

neurobar logo

Arbeitet mit grafischen Prinzipien und strukturierten Vorgehensweisen, um Gewohntes zu unterbrechen, Varianten auszuprobieren und Veränderungen auf dem Papier sichtbar werden zu lassen.



Mich interessiert bei beiden, was während des Tuns geschieht:

  • Was verändert sich, wenn ich Gewohntes unterbreche?
  • Was passiert, wenn ich einer Linie eine andere Richtung gebe?
  • Wenn ich Formen größer oder kleiner zeichne.
  • Wenn ich Farben wähle die ich sonst nicht mag.
  • Wie erlebe ich Unsicherheit, wenn ich das Ergebnis noch nicht kenne?
  • Was geschieht, wenn ich auf etwas Unerwartetes nicht mit Korrektur, sondern mit Neugier reagiere?

Veränderung wird sichtbar

Das Papier ist dabei kein Gehirn und eine gezeichnete Linie keine neuronale Verbindung. Diese Gleichsetzung wäre zu einfach.

Aber auf dem Papier kann etwas sichtbar werden, das auch für Veränderungsprozesse bedeutsam ist:

  • Ich kann ausprobieren.
  • Ich kann innehalten.
  • Ich kann anders entscheiden.
  • Ich kann etwas ergänzen.
  • Ich kann etwas verbinden.
  • Ich kann etwas abschneiden und woanders neu einsetzen.
  • Ich kann eine neue Richtung wählen.

Und ich kann unmittelbar sehen, dass aus dem, was eben noch da war, etwas anderes geworden ist. Vielleicht ist das für mich die schönste Bedeutung von Neuro.Bar:

Nicht alles ist veränderbar. Aber viel mehr ist möglich, als ein erster Blick vermuten lässt.